Juli 20, 2014

James Garner

†86

Juli 16, 2014

Kino: THE KING OF PIGS [aka. DWAE-JI-UI]

[...] Asiatisches Zeichentrickkino, sofern es sich hierzulande überhaupt gegen die mit dem Stigma der Kinderunterhaltung behaftete und entsprechend tradierte Animations- und Erzählkontinuität Hollywoods behaupten darf, wird in Deutschland noch am ehesten durch die klugen Animes des japanischen Studios Ghibli repräsentiert. "The King of Pigs", das unabhängig produzierte Langfilmdebüt des Südkoreaners Yeon Sang-ho, leistet mit seiner limitierten, auf scharfe Konturen ausgerichteten Animation auch dagegen erst einmal ästhetisch wohltuenden Widerstand: Formal nicht kostenintensiv um state of the art bemüht, erzählt das brutal-sinistre Schuldrama eine Geschichte vom Erwachsenwerden, die die Dringlichkeit ihres minimalistischen Zeichenstils schon dadurch bestätigt, dass sie in jeder anderen Form vielleicht gar nicht erst zumutbar wäre. [...]

weiterlesen

(und bitte auch den tollen Text darüber von Lukas zum letzten Miyazaki lesen!)

Kino: WIE DER WIND SICH HEBT [aka. KAZE TACHINU aka. THE WIND RISES]

"Der Wind hebt sich, wir müssen versuchen zu leben", heißt es in Paul Valérys 1920 verfasstem Gedicht "Le Cimetière marin". Dieses Zitats hat sich nicht erst Regisseur Hayao Miyazaki angenommen, es inspirierte bereits den Titel einer Kurzgeschichte von Hori Tatsuo. Auf deren Grundlage zeichnete der Studio-Ghibli-Veteran einen Manga, der als Vorlage seines jüngsten und leider auch letzten Anime diente: "Wie der Wind sich hebt" ist Miyazakis Kinoabschied. [...]

weiterlesen

Juli 13, 2014

DVD/BD: GIMME SHELTER (2013)

Ex-Disney-Sternchen Vanessa Hudgens bemüht sich nach ihren Image erneuernden Lolita-Performances in "Sucker Punch" und "Spring Breakers" weiterhin eifrig darum, nicht mehr nur als trällernde Zac-Efron-Freundin aus "High School Musical" in Erinnerung zu bleiben. Man kann sich gut vorstellen, wie die junge Schauspielerin und Sängerin ihren Agenten mit der Suche nach einer "anspruchsvollen Rolle" beauftragte, am besten irgendetwas in Richtung "Precious", weil das bestimmt niemand von ihr erwarten würde. Eine soziale, wenigstens aber moralische Botschaft sollte der entsprechende Film schon auch haben. Und eine Geschichte based on a true story – wenn also das Kino sich übers Leben versichern muss – wäre als Zugabe sicherlich noch besonders willkommen. Denn dagegen lässt sich ja stets schwerlich argumentieren: So ist es halt wirklich passiert. [...]

weiterlesen

Juli 10, 2014

Kino: WARA NO TATE [aka. DIE GEJAGTEN aka. SHIELD OF STRAW]

Mit rund 90 Regiearbeiten in nicht einmal 25 Jahren ist Takashi Miike der wohl arbeitswütigste Filmemacher Japans. Lediglich einer Handvoll von ihnen jedoch war auch hierzulande ein offizieller Kinostart vergönnt, der letzte liegt über zehn Jahre zurück. Insofern ist es eine kleine Sensation, wenn Miike mit "Wara no tate – Die Gejagten" nun auf die deutsche Kinoleinwand zurückkehrt, gleichwohl der Actionthriller nicht zu seinen stärksten Filmen zählt. [...]

weiterlesen

Juli 09, 2014

Der Filmvorspann, eine ausgestorbene Kunst

Grafikdesigner wie Saul Bass haben den Filmvorspann zu einer eigenen Kunstform erhoben. Doch aus weitgehend unerklärlichen Gründen scheut das gegenwärtige Kino jede Form von Eröffnungstiteln. Und lässt eine wunderschöne Tradition vor die Hunde gehen. 

weiterlesen

Juli 02, 2014

Paul Mazursky

†84

Juni 30, 2014

DVD/BD: THE DETAILS [aka. Liebe und andere Kleinigkeiten]

"Mein Untergang begann an einem märchenhaften Tag", heißt es zu Beginn von "Liebe und andere Kleinigkeiten" mit einem Voice-Over, der in seiner Sanftheit ganz gezielt falsche Wohlfühlkinofährten legt. Wenn im Leben etwas gehörig schief laufe, so der Gynäkologe Jeff Lang (Idealbesetzung: Tobey Maguire), müsse man den kleinen Dingen Beachtung schenken. Jenen winzigen Details, die die Katastrophe erst heraufbeschwört hätten. Genau ihnen nämlich hat Jeff, und dessen wird er sich bald schmerzhaft bewusst, nicht die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen. [...]

weiterlesen

TV: FARGO - SEASON 1

Statt Stoffe selbst zu entwickeln, setzen immer mehr TV-Serien erfolgreiche Kinofilme fort. Das kann man bedauerlich finden, weil Fernsehen sich mit spannenden Erzählungen und thematischen Experimenten zuletzt eben auch als eine Alternative zum Kino empfohlen hat. Oder man macht es, wie etwa die Produzenten von "Fargo", einfach ganz anders – und vor allem ganz richtig. Ihre Serie ist die vielleicht größte Überraschung des TV-Jahres. [...]

weiterlesen

DVD/BD: ALMOST HUMAN

Im amerikanischen Mainstream- wie auch Independent-Bereich ist das Genrekino der 80er wieder reaktiviert. Allmählich profitieren offensichtlich selbst Amateurfilmemacher von einem Hype, dessen Rückbesinnung nerdig, niedlich, vor allem aber nostalgisch ist. Ganz plötzlich fühlt sich da jedes Kind der Eighties zu einer eigenen Hommage befähigt, selbst wenn diese nicht über ein sinnbefreites Best-Of schlecht nachgeahmter Lieblingsfilme hinausreicht. [...]

weiterlesen

Juni 26, 2014

Nicht im Kino: I AM DIVINE

Aber dafür auf DVD: eine mühsam finanzierte Doku über die "filthiest person alive", internationale Drag-Ikone und natürlich Muse von John Waters. Mehr als nur eine Alternative zum WM-Loch, diese Hommage an Divine.

weiterlesen

Juni 25, 2014

Eli Wallach

† 98

Kommt es (auch) beim Film auf die Länge an?

Im Kino erfordern Filme mit sogenannter Überlänge einen Zuschlag, daheim nehmen sie zumindest mehr Zeit in Anspruch. Wirkt sich die Dauer eines Films auf unser Sehverhalten aus? Oder kommt es gar nicht auf die Länge an? Ein paar lose Gedanken.

weiterlesen

Juni 19, 2014

Zuletzt gesehen: HANSEL AND GRETEL (1982)

 
Obgleich unlängst auf einigen Filmseiten das Gegenteil behauptet steht, galt Tim Burtons Disney-TV-Special "Hansel and Gretel" nie als verschollen, sondern wurde lediglich vom Regisseur selbst unter Verschluss gehalten. Erst für dessen populäre Ausstellungen im MOMA bzw. der Cinémathèque Française gab er jenes kuriose Frühwerk frei, das nach seiner einzigen Ausstrahlung an Halloween 1983 ausschließlich in filmwissenschaftlichen Kontexten (und damit so gut wie gar nicht) verfügbar war. Eine kleine Sensation ist die nun in Umlauf gebrachte VHS-Aufnahme der selbstverständlich sehr sonderbaren Grimm-Adaption aber dennoch – und mich hat die Nachricht auch regelrecht vom Stuhl gehauen, so ich damals einzig für diese 35 Minuten gar einen Trip nach Paris in Erwägung zog (ja ja, ein wahrer Fan hätte das wohl getan, usw.usf.). Die Sichtung habe ich jetzt tatsächlich mehrere Tage lang vor mir her geschoben, einerseits aus Ehrfurcht, andererseits dem wohligen Gefühl, sich einen Burton-Film einfach auch aufheben zu können – wenn man ihn braucht, ist er nun da. Und geht nicht mehr weg.

"Hansel and Gretel" markiert in vielerlei Hinsicht einen Meilenstein in Tim Burtons Karriere. Es war seine bis dato längste Produktion ebenso wie der erste Film, für den der einstmalige Disney-Zeichner und Animationsregisseur mit Schauspielern arbeitete. Vielleicht im Wissen, mit ebendiesen ohnehin nicht konventionell umgehen zu können, zumindest aber dergestalt zu verfahren, wie es das Disney-Network wohl von ihm erwartet haben mag, entschied er sich für eine merklich bizarre Yarō-Kabuki-Interpretation des Märchens: Die bekannte Geschichte "nach verschiedenen Erzählungen aus Hessen" besetzte er ausschließlich mit japanischen Darstellern, von denen Michael Yama sowohl Hänsels und Gretels Stiefmutter als auch die böse Hexe (mit Zuckerstangen als Nase und Krückstock!) mimte. Es ist erstaunlich zu sehen, wie Burton schon anno dazumal queere Konzepte an manierliche Familienunterhaltung zu binden verstand, und auch Gepflogenheiten eines Konzerns (hier: Disney) zu unterwandern, ohne sie dabei zwangsläufig radikal zu destabilisieren – was ja eben bereits auf die viel zitierte "Subversion im Mainstream" verweist, die Burton später als eine Art auteuresken Schlüssel zum Erfolg nutzen wird.

Das TV-Special selbst verbleibt als ulkige Persiflage klassischer Kindergeschichten natürlich als das, was es ist: eine Fingerübung, eine Aneignung visueller Gestaltungswerkzeuge (Stop-Motion im Realfilm, On-Set-Tricks, Dekorverfremdung), eine erste Probe aufs Exempel, mit bereits allen ästhetischen Erkennungszeichen, von eigensinnigen Spiral- und Schachmustern bis zu langen Schatten, die hier von hageren Studiobäumen ohne Ast und Laub geworfen werden. Im orgiastischen Finale, das mit richtungslos umher geschmissenen Farbbeuteln, einer Kung-Fu-Einlage (die Hexe wirft essbare Ninja-Sterne und kämpft mit einem Nunchaku) sowie Unmengen an Glibberschleim herrlichsten Nonsens auffährt, scheint Tim Burton, der seinerzeit so unzufriedene Disney-Zeichner, erstmals ganz zu sich selbst zu finden. Und dass das nun endlich auch für jedermann einseh- und nachvollziehbar ist, stimmt mich höchst zufrieden.




(Randnotiz: Catherine Hardwicke, Regisseurin des ersten "Twilight", kreierte für den Film einige Modelle und erhielt dafür die allererste Abspannnennung ihrer Karriere)

(Randnotiz 2: Vincent Price wird in der IMDb als Erzähler geführt, doch zumindest in der jetzt einzig verfügbaren Fassung fehlt diese Rahmung bedauerlicherweise vollständig)

Juni 18, 2014

News-Terror im Tentpole-Zeitalter

Die großzügige Berichterstattung über "Star Wars: Episode VII" ist vor allem eine der Mutmaßungen und Fragezeichen. So wenig Einblicke sie dabei in den Film gibt, so sehr legt sie allerdings die Marketing-Rituale gegenwärtiger Blockbuster frei. 

weiterlesen